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Die Masterclass
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Netflix hat gerade eine neue Dokumentation über Bernie Madoff online gestellt, der eines der grössten Ponzi-Systeme in der Geschichte der Wall Street betrieben und tausende von Investoren getäuscht und geprellt hatte. In dieser vierteiligen Reihe beschreiben wir den Aufstieg und Fall des Finanzbetrügers und seines Betrugsimperiums. Für einige Betroffene werden erneut schmerzvolle Erinnerungen wach.

Das Schneeballsystem funktionierte in der ganzen Welt – auch in der Schweiz gab es Opfer. Sogar die angesehensten Schweizer Finanzinstitute und ihre Kunden tappten in die Falle. Einige haben es nicht überlebt. Ich gehörte damals zu den Glücklichen, denn ich hatte nur sehr wenig Geld bei Madoff investiert, aber ich erinnere mich noch lebhaft an den Schock. Ein Grossteil der Finanzwelt wurde auf dem falschen Fuss erwischt.

Zwar ist der Madoff-Skandal durch seine Dimension beispiellos in der Geschichte, aber er war ist nicht der erste (siehe nachstehende Tabelle), und es steckten nicht immer Wirtschaftskriminelle dahinter. Der European Kings Club-Betrug in den 1990er Jahren, der in der Zentralschweiz für viel Aufsehen sorgte, ist ein gutes Beispiel.

Einige der grössten Ponzi-Systeme, von denen die die Schweiz betroffen war

Das SystemDer BetrugDie DatenGeschätzter Betrag
Der Stanford-FallDer US-amerikanische Investmentbroker prellte mit falschen Einlagenzertifikaten, die eine sehr hohe Rendite versprachen, 18.000 Anleger.2001-20087 Mrd. USD Im Jahr 2020 übergab die Schweiz den USA über 200 Mio. USD.
Der Fall Dieter BehrinEin Investmentfonds wollte mithilfe komplexer Algorithmen Renditen erzielen, die den Marktdurchschnitt übertreffen sollten. Mit dem in Basel aufgelegten Ponzi-System wurden mehr als 2.000 Personen abgezockt.1998-2004800 Mio. CHF
Der Fall ABEine von einem unabhängigen Vermögensverwalter in Genf aufgelegte Anlagebetrugsmasche. Der Fonds versprach jährliche Renditen von über 20%.1990-200772 Mio. CHF
Bernie MadoffEiner der grössten Betrugsskandale der Geschichte, bei dem mehrere tausend Anleger geprellt wurden. Madoff lockte Investoren mit aussergewöhnlich hohen Rendite für ihre Anlage an. Wenn die Anleger ihr Geld übergaben, zahlte es Madoff einfach auf sein persönliches Konto bei der Chase Manhattan Bank ein. „Renditen“ zahlte er an die vorhandenen Anleger mit dem Kapital, das er von neuen Investoren erhielt. 1990-200864 Mrd. USD
European Kings ClubsEin riesiges Ponzi-System, mit dem Anleger in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland betrogen wurden. Der EKC gauckelte Anlegern, die „Letters“ zu einem Stückpreis von 1.400 CHF erwarben, Rekordgewinne vor. Die Schweizer Behörden, die in 12 Kantonen ermittelten, gehen davon aus, dass 30.000 Personen in der Schweiz zwischen 200 Millionen und 300 Millionen CHF verloren.1991-1994360 Mio. CHF

Wie aber lässt sich ein Ponzi-Schema erkennen, bevor man in die Falle tappt? Sicherlich gibt es Warnsignale, die wir nachstehend erläutern, doch eines steht fest: Sie selbst machen immer den Anfang. Ein Ponzi-Schema ist ein Anlagebetrugssystem, bei dem mit den Geldern neuer Anleger die Gewinnausschüttungen der bestehenden Investoren gedeckt werden. Das System funktioniert aber nur so lange, wie der Geldzufluss von Neuanlegern gesichert ist. Um dies zu erreichen, versuchen die Organisatoren von Ponzi-Systemen, Sie mit attraktiven Argumenten zu locken. Es geht um Gier, Leichtgläubigkeit und vermeintlich assergewöhnliche Renditen. Bevor Sie also der Versuchung erliegen, lassen Sie „konstruktives Misstrauen“, wie ich es bezeichnen würde, walten.

What you see is what you get – man bekommt, was man sieht

Eine der Grundregeln der Finanzwelt lautet, dass alle Anlagen mit Risiken verbunden sind. Mit anderen Worten: Die Höhe der potenziellen Renditen entspricht in der Regel den eingegangenen Risiken. Hohe Renditen mit niedrigen Risiken sind also mit Vorsicht zu geniessen – vor allem, wenn sie auch noch garantiert werden. Vor allem müssen diese Renditen erst mit Anlagen erwirtschaftet werden. Die Wertentwicklung eines Fonds muss also irgendwie mit der Wertentwicklung der zugrunde liegenden Vermögenswerte zusammenhängen. Ein Beispiel: Wenn ein Fonds in Aktien oder Kryptowährungen investiert, müssen Sie mit Renditeschwankungen rechnen – nicht mit linearen, stetigen oder nicht nachvollziehbar hohen Renditen. Als erstes sollten Sie sich deshalb nach der verfolgten Strategie erkundigen. Sollten Sie Ungereimtheiten feststellen, dann am besten Hände weg.

Geheimnisse sind für Träumer, denn

geheime und komplexe Strategien sind oft eine Tarnung zur Verheimlichung von Betrug. Grosse Ponzi-Systeme unterscheiden sich nicht wirklich von den Junk-Mails, die in unserer Mailbox landen. Sie wirken nur glaubwürdiger. Wie erreichen sie das? Häufig ist eine Prise Komplexität und

Exklusivität im Spiel. Als Faustregel sollten Sie Anlagen vermeiden, die Sie nicht verstehen, oder für die Sie keine vollständigen Informationen erhalten kö

Die Regulierung schützt Sie

Die grosse Finanzkrise war für viele ein traumatisches Erlebnis. Doch will man ihr wenigstens etwas Gutes abgewinnen, dann die strengere Regulierung zum Schutz der einzelnen Anleger. Mittlerweile müssen Vermögensverwalter und Banken eine gewaltige Zahl von Dokumenten erstellen und Kontrollen durchführen, um den Schutz ihrer Kunden zu garantieren. Ponzi-Schemen funktionieren oft in der Grauzone des Finanzsystems. Bei nicht registrierten Anlagen, Verkäufern ohne Lizenz und dürftiger Dokumentation sollten alle Alarmlampen angehen.

Ein Ausstieg kann Ihnen Klarheit verschaffen

Nehmen wir an, Sie haben bereits investiert und sind unsicher. Versuchen Sie, einen Teil Ihres Geldes abzuziehen. Falls die Auszahlung ausbleibt oder mit Schwierigkeiten verbunden ist, und falls sich die mangelnde Liquidität nicht auf die wenige liquide Anlagestrategie zurückführen lässt, dann könnte sich Ihr Verdacht bestätigen.

Nehmen wir an, Sie haben bereits investiert und sind unsicher. Versuchen Sie, einen Teil Ihres Geldes abzuziehen. Falls die Auszahlung ausbleibt oder mit Schwierigkeiten verbunden ist, und falls sich die mangelnde Liquidität nicht auf die wenige liquide Anlagestrategie zurückführen lässt, dann könnte sich Ihr Verdacht bestätigen.

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Über den Autor

Victor hat mehr als 13 Jahre Erfahrung in der Vermögensverwaltung. Im Laufe seiner Karriere hat er viele Einzelpersonen, Familien und Institutionen auf ihrem finanziellen Weg begleitet, indem er sie entweder bei ihren Investitionen beraten oder ihr Vermögen in ihrem Namen verwaltet hat. Er hatte eine Reihe von Schlüsselpositionen in den Investmentabteilungen von CA Indosuez, Lombard Odier und Citi Private Bank inne. Er hat einen Ingenieursabschluss in Bioinformatik und Modellierung vom Institut National des Sciences Appliquées in Lyon und ist ein zertifizierter FRM. In seiner Freizeit liebt Victor wissenschaftliche Lektüre und das Sammeln seltener Bücher.

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