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Eine Vision für das Banking von morgen

Chief Financial & Risk Officer bei Alpian
Caroline Delprat
Group 7 Artikel, 3 Min. Lesezeit

Die Welt der Banken und Finanzdienstleister ist im Wandel. Höchste Zeit. Doch wie sieht diese Welt für eine Anlegerin oder ein Anleger aus, der diese zum ersten Mal betritt?

Gehörst du zu dieser Art Menschen,

die alle Details des Alltags planen? Sei es die perfekte Flasche Rotwein für den Abend mit Freunden zu kaufen. Die Einladungen für den Kindergeburtstag schon Monate im Voraus zu entwerfen. Oder für die nächsten grossen Familienferien eine ausgeklügelte Reiseroute auszutüfteln? Fragst du dich auch immer mal wieder, ob du auf dem richtigen Weg bist, um deine langfristigen finanziellen Ziele zu erreichen? Und – welche sind das genau?

Während viele Fragen des alltäglichen Lebens einfach zu klären sind, gibt es für andere keine klaren Antworten. Und von allen Ungewissheiten im Leben sind die finanziellen oft die, die am schwierigsten zu besprechen sind. Entweder, weil man sich über die finanziellen Ziele nicht im Klaren ist oder weil man nicht weiss, mit wem man sie besprechen soll.

Moment mal. Ist nicht genau das die Aufgabe von Banken?

Grundsätzlich sollten Banken Menschen wie dir und mir helfen, Geld in Richtung unserer Bedürfnisse und Ziele zu lenken. Wir sollten uns auf ihre finanzielle Expertise verlassen können. Bei Grundlegendem, wie dem Erhalt unseres Vermögens, aber auch beispielsweise bei Investitionen in nachhaltige Energie-Startups. Die Bank als Partnerin und Begleiterin auf einem gemeinsamen Weg.

Eine ideale Vision, die man in der Realität oft vergebens sucht.

Die Empathie-Lücke

Ein wichtiges Bedürfnis der Kundschaft von heute ist eine einzigartige Customer Experience. Stell dir folgendes Szenario vor: Du rufst bei einer Bank an, um neue Kundin oder Kunde zu werden und die wichtigsten Aspekte deines Lebens zu besprechen. Stattdessen wirst du abgewiesen und sollst einen einstündigen Termin in der Folgewoche buchen. Nun wartest du auf dieses kostbare einstündige Zeitfenster am nächsten Dienstag um 12 Uhr.

Am D-Day betrittst diese etablierte Bank mit deinen Sorgen, Fragen und sogar ein paar Ideen für deine finanzielle Zukunft. Doch die meiste Zeit verbringst du damit, Administratives zu besprechen und haufenweise unklare Dokumente zu unterschreiben. Nach 50 Minuten eröffnet der Berater endlich ein Konto und ihr beginnt das Anlagegespräch, auf das du gewartet hast.

Nach ein paar allgemeinen Tipps fragt der Berater, ob du Kinder hast – damit er für sie gleich ein Konto eröffnen kann. Es folgen Fragen zu deinem Investitionshorizont und Risikoprofil. Daraufhin schlägt er dir vor, in einen ihrer generischen Fonds zu investieren.

Möglicherweise bist du zum Termin gegangen, um dein Geld sicher anzulegen. Aber auch mit dem Wunsch, in ethisch handelnde Unternehmen zu investieren. Vielleicht hast du unterschiedliche Ziele und stellst dir unterschiedliche Zeithorizonte für deine Investitionen vor. Vielleicht spiegelt das ermittelte Risikoprofil gar nicht deine Investitionsbereitschaft oder deine wahren Motive wider.

Deine Bedürfnisse und Wünsche zu verstehen hätte der Nährboden für eine fruchtbare Diskussion sein können. Stattdessen fand ein generisches Beratungsgespräch statt. Und du wurdest mit einer unbefriedigenden Erfahrung zurückgelassen.

Dank Technologie und einem besseren Verständnis von Kundenbedürfnissen sind wir heutzutage ein höheres Serviceniveau gewohnt. Banken müssen ihre Augen, Ohren und ihren Verstand offenhalten, um uns wirklich zu verstehen. Wir haben Bedürfnisse und Erwartungen, Zweifel und Ängste. Sind Banken nicht dazu da, diese zu verstehen und uns zu beraten?

Grosse Erwartungen

Wo es Probleme gibt, gibt es auch Lösungen und Chancen. Heutzutage werden Kundenbedürfnisse von einer neuen Generation von Finanzdienstleistern befriedigt. Die Digitalisierung bringt nicht nur neue Technologien und eine neue Generation von Bankerinnen und Bankern mit sich, sondern auch einen stärkeren Fokus auf die Bedürfnisse der Kundschaft. Heutzutage muss man kein Finanz-Genie mehr sein, um sich in der Welt der Geldanlagen und Investments zurechtzufinden. Eine Welt voller Möglichkeiten liegt uns zu Füssen, die Flexibilität und Selbständigkeit verspricht – die Chance, selbst zu entscheiden, wie wir unser finanzielles Leben gestalten.

Was du erwarten kannst

Man sagt, der Luxus von heute sei der Standard von morgen. Was kannst und solltest du also von deiner neuen Bank erwarten?

Einfacher Zugang

Dank Digitalisierung sollte sich ein Konto in wenigen Minuten von überall aus eröffnen lassen. Mit minimalen Verwaltungsabläufen.

Menschliche Note

Künstliche Intelligenz ist zwar auf dem Vormarsch. Bis KI aber einen menschlichen Berater ersetzt, der unsere nuancierten Anlagebedürfnisse und -ziele erfasst und sich für unseren Erfolg engagiert, wird es noch eine Weile dauern.

Besseres Risikoverständnis

Das Risikoprofil von Anlegern zu verstehen ist immer noch wichtig. Wir können jedoch neue Methoden erwarten, die unsere Wahrnehmungsverzerrungen miteinbeziehen und ein wahreres Bild unserer Risikoaversion zeichnen. Wir können Erkenntnisse erwarten, die über das hinausgehen, was wir selber schon wissen.

Expertise ohne Fachjargon

Eine der Hauptsorgen von unerfahrenen Anlegerinnen und Anlegern ist das mangelnde Verständnis für Finanzthemen. Es ist schwierig, sich von hart verdientem Geld zu trennen. Vor allem, wenn man nicht versteht, wohin es fliesst. Stell dir vor, eine Expertin oder ein Experte erklärt dir das Thema Geldanlage auf eine Weise, die du leicht verstehst und mit deinen Zielen in Einklang bringen kannst.

Wäre das nicht erstrebenswert? Eine empathische Bank, die uns bei unseren finanziellen Wünschen und Zielen hilft. Damit wir uns auf die wichtigen Details des Lebens konzentrieren können. Wie die Geburtstagsparty unserer Kinder.

Oder den Abend mit Freunden bei einem guten Glas Wein.

Group 7 Artikel, 3 Min. Lesezeit
Über den Author
Caroline Delprat
Chief Financial & Risk Officer bei Alpian

Caroline hat einen Master-Abschluss in Management vom Institute of Mines - Telecom Business School, einen MSc in Finance von der HEC Montreal und hat auch das Level 1 des CFA bestanden. Sie begann ihre Karriere im Bankenbereich als Interne Revisorin bei Crédit Agricole CIB, bevor sie zur Risikoanalystin befördert wurde und später die Verantwortung für Interne Kontrolle und Risiken übernahm. Zuletzt arbeitete sie für die Banque Profil de Gestion als Risk Officer & Finance/Accounting Associate.