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Emi Fukahori: So fand die bekannte Barista ihren Purpose

byPatrick Züst
vonPatrick Züst
Patrick Züst

Emi Fukahori (33) hat bis zu ihrem zwanzigsten Lebensjahr keinen Kaffee getrunken. Heute ist das schwarze Heissgetränk ein integraler Bestandteil ihres Lebens: Fukahori gehört zu den besten Baristas der Welt, ist Mitinhaberin von zwei Coffeeshops in Zürich und verbringt ihre Tage damit, Aromen im Kaffee zu finden, von denen die meisten von uns nicht wissen, dass sie überhaupt existieren. Wir haben mit der japanischen Innovatorin darüber gesprochen, wie aus ihrer Neugierde erst eine Leidenschaft und dann ein Geschäft wurde.

Frau Fukahori, die meisten Menschen halten Kaffee für ein normales Konsumgut. Warum ist er für Sie so faszinierend?

Das stimmt, viele Menschen trinken Kaffee, ohne darüber nachzudenken. Aber es gibt eine ganze Welt von Aromen, die im Kaffee stecken. Kaffee kann fruchtig, schokoladig oder würzig sein – und es ist die Aufgabe von Baristas, diese Nuancen herauszuarbeiten. Richtig gemacht, kann Kaffee nach fast allem schmecken.

Was unterscheidet einen guten Kaffee von einem grossartigen Kaffee?

„Der beste Kaffee ist der Kaffee, den Sie mögen“ – so lautet das Motto in unseren Coffee Shops. Baristas können dir dabei helfen, einen Kaffee zu entdecken, den du magst. Das ist oft schwierig, da die meisten Menschen noch nie in die Tiefen der Kaffeespezialitäten eingedrungen sind. Ich versuche daher, meine Kund/innen kennenzulernen, zu erfahren, was sie mögen, und ihnen dann zu helfen, einen Kaffee zu finden, den sie gut finden.

Hat Kaffee schon immer eine wichtige Rolle in Ihrem Leben gespielt?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe erst angefangen Kaffee zu trinken, als ich vor einem Jahrzehnt nach Zürich gezogen bin. Es war eine nette soziale Aktivität, aber ich wusste nichts über die damit verbundenen Prozesse. Ein paar Jahre später ging ich zu einem geselligen Beisammensein in eine Rösterei, wo ich einen Barista-Meister und die faszinierenden Welt des Spezialitätenkaffees kennenlernen durfte. Ich erinnere mich noch daran, dass mir ein Kaffee serviert wurde, der nach Erdbeeren schmeckte. Er war so anders als jeder Kaffee, den ich zuvor getrunken hatte, und machte mich neugierig: Woher kommt dieses Aroma? Wie holt der Barista es aus den Bohnen heraus? In den nächsten sechs Monaten ging ich jeden Tag nach der Arbeit in die Rösterei, denn ich wollte mehr lernen. Die Besitzer brachten mir bei, was sie über Kaffee wussten, und seitdem ist das ein wichtiger Teil meines Lebens.

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Kaffee, so wie du ihn magst. Erfahre mehr auf Emis Instagram Account (@emifukahori).

Reichtum ist, zu wissen, was man liebt und es kontinuierlich tun zu dürfen.

Sie haben angefangen, an Wettbewerben teilzunehmen und wurden schon nach wenigen Jahren zur besten Barista der Welt gekrönt. Wie haben Sie das erreicht?

Ich habe nie an Wettbewerben teilgenommen, um zu gewinnen. Meine Hauptmotivation für Wettbewerbe war es, so viel wie möglich zu lernen – und ich denke, das ist der Grund für meinen Erfolg. Ich wollte mehr über Kaffee lernen, aber auch über mich selbst, und darüber, wie man ein Produkt einem grossen Publikum präsentiert. Als ich 2015 die Schweizer Landesmeisterschaft gewann, war ich total überrascht. Die meisten der anderen Teilnehmer/innen waren professionelle Baristas, während ich nur eine Amateurin war, die Kaffee mochte. Ich hatte dann die Ehre, die Schweiz bei der Weltmeisterschaft zu vertreten. Wettbewerbe sind eine grossartige Gelegenheit für jeden, um alle Facetten eines Themas in der Tiefe zu verstehen. Es ist verrückt, wie schnell man durch die Vorbereitung und Teilnahme an einem Wettbewerb lernt.

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Während Emi Fukahori mit uns spricht, röstet ihr Team Kaffee. Geräusche von rasselnden Bohnen mischen sich mit Pfeifen und freundlichem Geplauder. Das Rösten passiert zweimal pro Woche in ihrer eigenen Fabrik. Neben der Rösterei besitzen Fukahori und ihr Partner Mathieu Theis zwei Coffeeshops in Zürich. Sie heissen „Mame“, japanisch für „Bohne“. Die Online-Bewertungen der Läden sind hervorragend – trotz vergleichsweise hoher Preise. Das Besitzerpaar will aber nicht nur leckere Getränke verkaufen, sondern eine Community von Kaffee-Liebhaber/innen in Zürich aufbauen.

Haben Sie irgendwelche Empfehlungen für Menschen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen?

Versuchen Sie herauszufinden, was Sie mögen, erkennen Sie es und analysieren Sie, wie Sie darin grossartig werden können. Ich habe meine Bestimmung darin gefunden, exzellenten Kaffee zu machen, aber es kann alles sein.

Sie haben Ihre Leidenschaft durch Zufall entdeckt. Wie können andere ein Gebiet finden, das sie interessiert?

Man sollte so viele Dinge wie möglich ausprobieren – so habe ich auch den Kaffee entdeckt. Gerade wenn man jung ist und keine Verpflichtungen hat, ist es sehr einfach, etwas ohne Druck auszuprobieren. Dann kann man sich immer wieder fragen: Finde ich das gut? Möchte ich es weiter verfolgen? Der nächste Schritt ist meist, sich mit Leuten zu umgeben, die sich für die gleiche Sache begeistern. Das ist es, was ich am meisten genossen habe, als ich zu Wettbewerben ging; zu sehen, wie andere Leute auch verrückt nach Kaffee waren. Und das gilt für jede Art von Branche: Beobachten Sie andere Menschen, sprechen Sie mit ihnen und versuchen Sie, von ihnen zu lernen. Wenn es nicht Ihr Ding ist, können Sie einfach aufhören. Man macht vielleicht ab und zu einen Fehler, aber wenn man daraus lernt, ist es kein Versagen.

Was bedeutet Reichtum für Sie?

Für mich ist das ganz einfach: Reichtum ist zu wissen, was man liebt und es kontinuierlich machen zu können. Ich habe das Glück, zwei Coffeeshops und ein fantastisches Team an meiner Seite zu haben; etwas anderes könnte ich mir nicht wünschen.

Viele Menschen assoziieren Reichtum mit finanziellen Vermögenswerten. Spielt Geld eine wichtige Rolle in Ihrem Leben?

Ich spare Geld, um es für das auszugeben, was ich mag. Das hat mein Vater immer gesagt: „Spare es, aber gib es aus“. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wenn wir in einer fremden Region tolle Kaffeebohnen entdecken, kaufe ich diese Bohnen in grossen Mengen. Das ist oft nicht billig, aber es ist das, was mir wichtig ist, also mache ich solche Einkäufe gerne.

Ihr Geschäftspartner ist auch Ihr Lebenspartner. Wie managen Sie diese beiden Beziehungen?

Es ist wunderbar: Da er meine Leidenschaft für Kaffee teilt, muss ich mich nie für etwas rechtfertigen. Das macht es einfacher, sich gegenseitig zu verstehen. Aber da wir auch ein gemeinsames Geschäft haben, kann es sich so anfühlen, als ginge es immer nur um Arbeit, Arbeit, Arbeit. Zum Glück haben wir nächsten Monat endlich die Chance, gemeinsam für zwei Wochen in den Urlaub zu fahren.

Bedeutet das, dass Sie mal eine Auszeit vom Kaffee haben werden?

(lacht) Nicht wirklich. Wir fahren nach Costa Rica, um Kaffeebauern zu besuchen und mit ihnen über neue Produkte zu diskutieren. Das ist die einzige Art von Urlaub, die wir machen, aber ich würde es nicht anders haben wollen.

Wir freuen uns schon darauf, Ihre neuen Kaffees zu probieren! Danke, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben.

 

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Haftungsausschluss:

Alpian hat bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) einen Antrag auf eine Vollbanklizenz eingereicht. Der Inhalt dieser Publikation dient nur zu Informationszwecken. Diese Informationen sollten nicht als Rechts-, Steuer-, Anlage-, Finanz- oder sonstige Beratung ausgelegt werden.

Über den Author
Patrick Züst
Patrick Züst

Patrick wurde 2016 der jüngste Auslandskorrespondent der Schweiz und zog dann nach San Francisco, um über die florierende Tech-Landschaft im Silicon Valley und in den USA zu berichten. Patrick erkundet derzeit den Fintech-Bereich und begeistert sich für Unternehmertum und das Studium von Sprachen. Er spricht derzeit 5 Sprachen und lernt Chinesisch.