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Extremkünstler Alexander Inchbald: Wie man sein Verhältnis zu Geld verändern kann

byInsa Schniedermeier
vonInsa Schniedermeier
Insa Schniedermeier

Alexander Inchbald ist „Extremkünstler“, Business-Coach, Bestsellerautor und Gründer des „ Masterpiece-Programms“ mit dem er Menschen hilft, ihre Kreativität und ihre:n „innere:n Künstler:in“ zu entfesseln. Für i-vest sprachen wir mit ihm über die Kraft der Kreativität und darüber, wie unsere Überzeugungen und unser Verstand unsere Beziehung zu Geld beeinflussen.

Hallo Alexander, toller Hintergrund! Was ist das?

Das ist der Mont Blanc in den Wolken. Ich habe dieses Bild letzte Woche auf dem Gipfel des Berges gemalt.

Das Interview mit Alexander Inchbald findet über Zoom statt. Im Hintergrund sieht man ein Foto von einer verschneiten Berglandschaft und daneben ein Kunstwerk auf einer Staffelei. Die schwarze Leinwand hebt sich stark von dem hellen Hintergrund ab.

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Inchbalds Gemälde vom Mont Blanc ist Teil der Serie „When I Was Black“.

Ganz schön dunkel für ein Gemälde eines verschneiten Berges.

Ja, es ist in der Tat sehr dunkel, schwarz auf schwarz. Es ist Teil meiner aktuellen Serie „When I Was Black“. Die Serie ist inspiriert von meiner größeren Mission, das Klima der Ungleichheit zu verändern. Das war meine Inspiration.

Das mache ich also im Moment: Ich male über Ungerechtigkeit und das Klima. Ich bin davon überzeugt, dass wir, um das Klima zum Besseren zu verändern, mehr über Ungerechtigkeit sprechen müssen. Und wir lösen die Ungerechtigkeit in der Welt erst dann, wenn wir selbst wieder ins Gleichgewicht kommen.

Mit deiner Kunst willst du also zu Gesprächen über Ungerechtigkeit anregen?

Genau. Als „Extremkünstler“ male ich Bilder von Landschaften unter extremen Bedingungen. In all meinen Bildern geht es um die Illusion von Identität. Ich möchte zeigen, dass Identität nicht das ist, was wir sind. Wir sind eine Seele mit einer Identität, nicht eine Identität mit einer Seele. Tatsächlich glaube ich, dass man seine Identität selbst wählen und erschaffen kann.

Während des Gesprächs wechselt Alexander immer wieder den Hintergrund bei Zoom und zeigt Landschaften aus der ganzen Welt zusammen mit den Kunstwerken, die er dort gemalt hat. Zu jedem Bild erzählt er eine Geschichte. Er zeigt ein Bild am Fusse des Mount Fuji in Japan, wo die Natur seinen ursprünglichen Plan, dessen perfekte Spiegelung im See zu malen, durchkreuzte. Ein anderes Bild entstand bei starkem Wind in der Provence, und ein drittes mitten in einem Schneesturm, wo das Schneegestöber so stark war, dass er nicht einmal mehr die Leinwand sehen konnte.

Du malst also Landschaften, aber eigentlich geht es in deinen Kunstwerken um die menschliche Natur und um die Illusion von Identität?

Lass mich eine Geschichte erzählen, um das näher zu erläutern. Es geschah vor sechs Jahren in Japan. Ich fuhr dorthin zum Fusse des Mount Fuji mit der Idee, die perfekte Reflektion des Berges in einem See zu malen, zwei umgedrehte Dreiecke – der Mount Fuji in der richtigen Richtung und seine spiegelverkehrte Reflektion. Ich hatte alles geplant, einschließlich einer Live-Übertragung des Entstehungsprozesses über Periscope, Datum und Uhrzeit standen also fest.

Aber als ich dort am See ankam und gerade mit dem Malen beginnen wollte, bemerkte ich, dass Wind aufkam, wodurch Wellen im See verursacht wurden.

Im ersten Moment war ich nicht allzu besorgt. Ich setzte meine Vorbereitungen fort und baute die Videokamera auf. Aber die Wellen beruhigten sich nicht. So begann ich also trotz der Wellen zu malen, schliesslich hatte ich Zuschauer:innen, rund 300 Leute sahen mir zu. Während des Malvorgangs wurden die Wellen immer stärker. Das war echt eine Herausforderung, denn es ist schwieriger, Wellen zu malen als eine ruhige, flache Oberfläche.

Warum?

Wellen sind schwierig zu malen, weil sie in Bewegung sind. Man muss sehr aufmerksam sein, um zu sehen, wie sie sich bewegen, was viel Mühe und Konzentration erfordert. Nach etwa sechs Stunden war das Bild endlich fertig. Aber ich war frustriert, da es nicht das Bild war, das ich ursprünglich malen wollte.

Auf dem Rückweg, als ich am See entlang lief, kam ich an einem Japaner vorbei. Er trug ein T-Shirt, auf dem auf Englisch drei Worte standen: „Don’t create waves.“ Das hat mich echt umgehauen. Solche Dinge passieren mir immer wieder.

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Alexander Inchbald vor einem seiner Gemälde aus der Serie „When I Was White“. Sein ursprünglicher Plan war es, die Spiegelung des Mount Fuji im See zu malen, aber Mutter Natur hatte ihre eigene Idee.

Du meinst solche Zufälle?

Ich nenne sie lieber Synchronizitäten. Sie passieren die ganze Zeit und man kann sie als Zeichen dafür sehen, dass wir unsere Realität ständig selbst erschaffen.

Lass‘ mich das noch einmal sagen: Wir erschaffen unsere Realität die ganze Zeit selbst. Man sieht oft nur erst, dass man es tut, wenn eine solche Synchronizität passiert. Meine Malexperimente haben mir gezeigt, wie die „Matrix“ aufgebaut ist und wie wir die Matrix buchstäblich mit unseren Gedanken verändern können.

„Wir erschaffen unsere Realität die ganze Zeit selbst.“

In deinem „Masterpiece-Programm“ hilfst du Menschen dabei, ihre Bestimmung zu erkennen, ihre Kreativität zu entfesseln und ihre „Masterpieces“ zu realisieren. Wie hat deine Kunst dieses Programm inspiriert?

Alles im „Masterpiece-Programm“ basiert auf meinen Erfahrungen beim Malen an extremen Orten, und ich hatte das Bedürfnis, dies mit anderen zu teilen. Durch das Malen in der Natur habe ich gelernt, dass alles, wogegen man Widerstände hegt, am Ende einem selbst widersteht. Und ich habe auch gelernt, wie man diese Widerstände überkommen kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Wind oder Schnee oder Regen oder Wolken oder eine Firma oder einen anderen Menschen handelt. Der Widerstand ist letztlich in uns.

Was meinst du damit genau?

Die meiste Zeit denken wir, dass das, was bei uns zu Widerstand führt, ausserhalb von uns ist. Wir tun es mit Geld, mit Menschen, mit Organisationen, sogar mit unserer Kultur. Was immer wir als ausserhalb von uns – oder nicht als uns selbst – sehen, dem widerstehen wir.

Durch das Malen habe ich nicht nur erkannt, wie man ein „Masterpiece“ zum Leben erwecken kann, sondern, wie eigentlich alles in der Welt funktioniert. Ich habe erkannt, wie man eine liebevolle Beziehung haben kann. Ich habe gelernt, wie man als Team arbeiten kann, wie man als Organisation arbeiten kann. Ich habe gesehen, wie eine Organisation mit anderen Organisationen zusammenarbeiten kann. Ich habe gesehen, wie wir den Klimawandel und die Ungerechtigkeit lösen können. Ich habe gelernt, dass aller Widerstand eigentlich in uns ist.

Wenn wir aufhören, uns gegen den Widerstand zu wehren, dann fangen wir an, die Verbindung zu all dem zu sehen. Das ist viel einfacher, aber auch viel schwieriger, als wir denken. Es ist viel einfacher, weil wir eigentlich gar nichts tun müssen.

Hast du ein konkretes Beispiel dafür? Vielleicht im Zusammenhang mit Geld und Vermögensaufbau, denn ich kann mir vorstellen, dass es eine Menge Widerstand rund ums Thema Geld gibt.

Ja, das stimmt, die meisten von uns haben eine Form von Widerstand gegen Geld. Entweder lehnen wir Geld ab und schieben es unbewusst von uns weg, oder wir sind süchtig danach. Oftmals ist es genau diese schwierige Beziehung zu Geld, die uns daran hindert, unser „Masterpiece“ zu erschaffen und unsere Vision zu verwirklichen.

„Extremkünstler“ Alexander Inchbald: Wie man sein Verhältnis zu Geld verändern kann

Alexander Inchbald malt das Matterhorn.

Alexander Inchbald

Alexander Inchbald bei einem seiner Vorträge.

Wie können wir diesen Widerstand gegen Geld überwinden?

Viele von uns sprechen von finanzieller Unabhängigkeit. Mit anderen Worten: Wir glauben, wenn wir genug Geld haben, dann werden wir unabhängig sein. Die Wahrheit ist, dass man nie genug Geld haben wird, um unabhängig und frei zu sein, wenn man süchtig danach ist. Dann wirst du immer mehr Geld brauchen und nie wirklich zufrieden sein.

Selbst Multimillionär:innen oder Milliardär:innen, die ihre Beziehung zu Geld nicht gelöst haben, werden sagen, dass sie nicht genug Geld haben. Wer süchtig nach Geld ist, wird niemals finanzielle Unabhängigkeit erleben.

„Wer süchtig nach Geld ist, wird niemals finanzielle Unabhängigkeit erleben.“

Verkaufst du deine Bilder auch?

Ja. Die Serie „When I Was Black“ wird für fünfundzwanzigtausend Dollar verkauft. Mein Plan für diese neue Serie ist es, einen NFT um die Bilder herum zu erstellen und die ganze Entstehungsgeschichte mitzuverkaufen.

Kurz zur Erläuterung: Ein NFT ist ein non-fungible Token, also eine digitale Entität, die einzigartig ist und für immer auf der Blockchain gespeichert wird. NFTs sind ein heisses Thema für Kreative und Investor:innen, spätestens seit der Digitalkünstler Beeple diesen März ein NFT-Kunstwerk für 69 Millionen US-Dollar verkauft hat. Was wird Teil deines NFT-Angebots sein, Alexander?

Das NFT wird das Zeitraffervideo des Malprozesses sein. Zu fast jedem Bild, das ich je gemalt habe, gibt es ein Zeitraffervideo, weil ich an ziemlich coolen Orten auf der ganzen Welt gemalt habe. Die Zeitraffer sind daher auch cool. Mit dem NFT kann ich nicht nur das Kunstwerk verkaufen, sondern auch den Akt seiner Entstehung.

Um zu veranschaulichen, wie ein solches Zeitraffervideo aussieht, zeigt mir Alexander einen Ausschnitt davon. Es zeigt ihn beim Malen und wie er erklärt, wie man sich durch das kreative Arbeiten mit der Natur verbinden kann.

Was bedeutet Reichtum für dich?

Für mich bezieht sich Reichtum nicht nur auf Geld, sondern auch auf die Gesundheit, das Liebesleben, die Möglichkeit, sein „Masterpiece“ erschaffen zu können und den damit zusammenhängenden Prozess zu gehen, sich selbst und auch den Planeten wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Das ist für mich wahrer Reichtum.

Vielen Dank für dieses interessante Gespräch, Alexander!

 

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Haftungsausschluss:

Alpian hat bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) einen Antrag auf eine Vollbanklizenz eingereicht. Der Inhalt dieser Publikation dient nur zu Informationszwecken. Diese Informationen sollten nicht als Rechts-, Steuer-, Anlage-, Finanz- oder sonstige Beratung ausgelegt werden.

Über den Author
Insa Schniedermeier
Insa Schniedermeier

Insa ist Content-Strategin, Journalistin und Yogalehrerin aus Berlin. Von einem Business-Hintergrund kommend, hat sich Insa vor 5 Jahren dazu entschieden, Autorin und Bloggerin zu werden. Seitdem hat sie für viele Magazine wie Business Punk, VICE, Fit For Fun oder enorm geschrieben. In ihrer Rolle als Chefredakteurin für i-vest versucht sie immer, mit Geschichten über persönliches Wachstum, Nachhaltigkeit und inspirierende Persönlichkeiten, einen Mehrwert zu schaffen.