Suche nach...

Wealth Wise

Zeitlose Investitionslektion aus den 80er Jahren

Head of Investment bei Alpian
Victor Cianni
Group 7 Artikel, 4 Min. Lesezeit

Die Eröffnungsszene des Films Wall Street (1987) gibt dir einen Eindruck davon, wie das Leben im Aktienhandel in den 80er Jahren aussah. Bevor es das Internet gab, wurden alle Transaktionen über das Telefon abgewickelt. Wenn du z.B. ein paar Apple-Aktien kaufen wolltest (Apple war gerade an der US-Börse notiert!), riefst du deinen Broker an, der den Handel auf einem farbigen Ticket notierte. Dieses Ticket wurde an den örtlichen Handelsraum geschickt, manchmal über ein Röhrensystem. Im Handelsraum riefen die Makler ihren Handelsschalter an der Börse an, um deine Aufträge zu platzieren, für die du ein paar Minuten später eine Bestätigung erhieltst.

70-75% der heutigen Einzelhändler, die Aktien für ihr persönliches Konto kaufen und verkaufen, verlieren Geld.

Auch wenn einige von uns nostalgisch auf diese guten alten Zeiten zurückblicken, ist der Aktienhandel heute einfach viel einfacher und zugänglicher. Um Aktien unseres Lieblingsunternehmens zu kaufen, müssen wir nur eine App öffnen, unsere Bedingungen angeben und auf „Kaufen“ drücken. Aber neben den großen Vorteilen hat diese Technologie auch einige neue Risiken mit sich gebracht, mit denen sich Investoren auseinandersetzen müssen,…

Gehen wir zurück in die 80er Jahre

In den 80er Jahren waren die Finanzmärkte noch nicht so weit entwickelt und miteinander vernetzt wie heute. Ein Anleger konnte weniger Wertpapiere kaufen (früher waren es nur eine Handvoll, heute können Schweizer Anleger je nach Brokerhaus zwischen 40.000 und 3.000.000 Wertpapiere kaufen. Auch Finanznachrichten gab es weniger. Die wichtigsten Informationsquellen waren Zeitungen und Unternehmensberichte. Was Schulungsmaterialien angeht, gab es deutlich weniger Bücher, Tutorials und Communities. Die Beschränkungen der damaligen Zeit schufen echte Einstiegshürden und erforderten erhebliche Ressourcen.

Wer würde 2021 Stunden damit verbringen, den Jahresbericht eines Unternehmens zu lesen, wenn man auf einen Knopfdruck erfahren kann, was die Analysten und die Öffentlichkeit über die Aktie denken?

Warum sollte man sich die Mühe machen, um die Welt zu reisen, um die nächsten Anlagetrends zu finden, wenn Communities aufzeigen, was auf dem Markt angesagt ist, was man kaufen sollte und wie man es kauft?

Lohnt es sich noch, einen Abschluss in Wirtschaft und Finanzen zu machen, um mit dem Investieren anzufangen, wenn man hervorragende Podcasts hören kann und der Prozess des Investierens eine komplett spielerische Handelsplattform ist?

Abgesehen davon hatten die Investoren aus den 80er Jahren einen Vorteil gegenüber uns: Zeit, um ihr kritisches Denken zu üben.

Unerfahrene Händler/innen orientieren sich bei ihren Entscheidungen eher an dem, was gerade ihre Aufmerksamkeit erregt, als an klaren Investitionskriterien.

Nahtlose Erfahrung, kaputte Investoren

Auch wenn die Demokratisierung des Finanzwesens etwas ist, das wir alle begrüßen sollten, hat der leichtere Zugang zum Investieren nicht unbedingt zu einer besseren Leistung geführt. Jüngste Forschungsergebnisse legen nahe, dass unerfahrene Anleger, die eine nahtlose Erfahrung suchen, auf die harte Tour lernen, dass eine zu einfache Anlageberatung mit Risiken verbunden ist. Hier sind ein paar erschreckende Fakten:

Game over…zumindest für heute

Die Brokerhäuser mögen schuld daran sein, dass sie unsere Schwächen ausnutzen, indem sie uns zu bestimmten Investitionen drängen, aber es liegt in unserer Verantwortung, unser kritisches Denken zu trainieren. Du weißt nicht, wo du anfangen sollst? … indem du dir Zeit nimmst. Nimm dir die Zeit, für jede Investition, die du in Erwägung ziehst, ein überzeugendes Argument zu finden, zu verstehen, wie sie zu deiner aktuellen Strategie und deinem langfristigen Plan passt, nach konträren Standpunkten zu suchen und deine Annahmen zu hinterfragen… Vielleicht kann die Investitionsmöglichkeit, die gerade auf deinem Telefon auftaucht, bis morgen warten. Den Abend damit zu verbringen, ihre Vorzüge zu studieren, könnte eine gute Option sein… genauso wie das Wiedersehen mit Filmen aus den 80er Jahren!

Disclaimer: Alpian hat bei der Schweizer Finanzmarktaufsicht (FINMA) einen Antrag auf eine Vollbanklizenz eingereicht. Der Inhalt dieser Publikation dient nur zu Informationszwecken. Du solltest diese Informationen nicht als Rechts-, Steuer-, Investitions-, Finanz- oder sonstige Beratung auslegen.

Group 7 Artikel, 4 Min. Lesezeit
Über den Author
Victor Cianni
Head of Investment bei Alpian

Victor hat mehr als 13 Jahre Erfahrung in der Vermögensverwaltung. Im Laufe seiner Karriere hat er viele Einzelpersonen, Familien und Institutionen auf ihrem finanziellen Weg begleitet, indem er sie entweder bei ihren Investitionen beraten oder ihr Vermögen in ihrem Namen verwaltet hat. Er hatte eine Reihe von Schlüsselpositionen in den Investmentabteilungen von CA Indosuez, Lombard Odier und Citi Private Bank inne. Er hat einen Ingenieursabschluss in Bioinformatik und Modellierung vom Institut National des Sciences Appliquées in Lyon und ist ein zertifizierter FRM. In seiner Freizeit liebt Victor wissenschaftliche Lektüre und das Sammeln seltener Bücher.